Das Geheimnis des Heiligen Gral

Als der von Dan Brown verfilmte Roman "Da Vinci Code" am 18. Mai 2006 weltweit in unseren Kinos anlief, bewirkte er intensive Diskussionen über den Heiligen Gral mit seiner möglichen Verbindung zum Templer-Orden und einer Liebebeziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena. Für mich hat dieses Thema eine ziemliche Brisanz, da es unser christliches Weltbild der letzten 2000 Jahre völlig auf den Kopf zu stellen vermag.

Die Hintergründe der Romanvorlage basieren auf dem Buch "Der Heilige Gral und seine Erben" von Lincoln, Baigent und Leigh (TB Bastei Lübbe) und mit diesem Text möchte ich die möglichen Zusammenhänge dieses sehr komplexen Themas aufzeigen. Dabei geht es mir nicht darum, ob sie wirklich der Wahrheit entsprechen, sondern ich möchte Anregungen geben, durch welche jeder zu seiner eigenen Wahrheit finden kann.


Was ist der Heilige Gral?

Um den Heiligen Gral ranken sich viele Geschichten in denen er sehr unterschiedliche Bedeutungen erhält. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um ein Gefäß in Form eines Kelches oder einer Schale mit magischen Eigenschaften. Wenn man aus ihm trinkt, verspricht er ewiges Leben, immerwährende Schönheit oder Gesundheit. Hier scheint die Wirkung des Grals vergleichbar zu sein mit dem "Stein des Weisen" aus der Alchemie. Diese Verbindung rückt sogar noch näher in der dritten möglichen Variante, in welcher der Gral selber ein Stein sein soll.

Die Ursprünge eines Gefäßes mit heilender Wirkung sind in der keltisch-irischen Mythologie zu finden. Dort steht es einerseits für die Fülle der Natur, für Fruchtbarkeit und reiche Ernte und hat deshalb die gleiche Symbolik wie ein Füllhorn. Andererseits gibt man ihm auch die Bedeutung für Tod und Wiedergeburt, Werden und Vergehen.

In unserer europäischen Literatur taucht der Heilige Gral das erste Mal 1188 in einer Schrift des Franzosen Chrétien de Troyes (ca. 1150 bis 1190) mit dem Titel "Perceval, der Waliser oder die Erzählung vom Gral" auf. Inhaltlich geht es um einen jungen Mann, der an den Hof des König Artus kommt, um dort zum Ritter ausgebildet zu werden. Hier muss er verschiedene Herausforderungen bestehen und trifft auf einer seiner Reisen einen geheimnisvollen Burgherren, der ihm den Heiligen Gral zeigt. In diesem Werk bleibt leider völlig offen, was dies für ein Gefäß ist und welche Bedeutung es hat. Es wird nur berichtet, dass es eine Gralsfamilie gibt, zu der auch unser junger Held gehören soll.

Etwas später verfasst Wolfram von Eschenbach seine Gralsgeschichte in deutsch über seinen Ritter "Parzival", die inhaltlich ähnlich aufgebaut ist. Auch hier wird der Gral in Zusammenhang gebracht mit einer geheimen Gralsfamilie, welche sich verpflichtet hat, ihn zu hüten, bzw. dem Gral zu dienen. Dabei kommen junge oder unerfahrene Ritter vor, die Prüfungen bestehen müssen, und - wenn sie reif genug sind - zum Gral berufen und in seine Geheimnisse eingeweiht werden.

Beide Werke haben keinen christlichen Hintergrund. Dieser taucht erst einige Jahre später auf, als der Gral mit zwei besonderen Situationen in dem Leben von Jesus in Verbindung gebracht wird: Zum Einen soll es sich um jenen Kelch handeln, in welchem er bei seinem letzten Abendmahl an seine Jünger symbolisch "sein Blut" weitergegeben hat. Er ist also eingebunden in eine rituelle Handlung, die wir noch heute aus der Abendmahl-Zeremonie unserer Gottesdienste kennen. Andererseits, oder manchmal auch gleichzeitig, soll es sich nach dem Nikodemus-Evangelium um jenes Gefäß handeln, in welchem Joseph von Arimathia Jesus Blut auffing, als er am Kreuz hängend mit der Lanze des Longinus in die Seite gestochen wurde.

Joseph war ein reicher Kaufmann und ein Freund der Familie von Jesus mit einer eigenen Schiffsflotte. Nach der Kreuzigung floh er mit dem heiligen Kelch vor den Römern nach Südfrankreich oder nach Britannien. Hierfür mag es Hinweise gerade in der Literatur beider Länder geben, ich bin aber eher geneigt zu sagen, dass Joseph nach Südfrankreich gegangen ist. Dazu später mehr. Allerdings bleibt absolut unklar, was mit dem heiligen Gefäß zwischen Josephs dortigen Ankunft (ca. im Jahre 50 nach unserer Zeitrechnung) und dem ersten Auftauchen des Grals in der höfischen Literatur Ende des 12. Jahrhunderts geschehen sein soll. In dieser Zeit ist von ihm nirgendwo zu lesen, erst recht nicht in christlichen Texten. Und das ist schon verwunderlich, wenn er gleichzeitig eine solch starke christliche Bedeutung haben soll?

Aus diesem Grunde vermute ich eher, dass er ursprünglich überhaupt nichts mit Jesus und seinem Wirken zu tun gehatte, also damit heidnischen Ursprungs ist und erst später - wie bei anderen Symbolen - in den christlichen Glaubensschatz übernommen wurde. Doch das erklärt wiederum nicht, was es mit der Gralsfamilie auf sich hat oder die Existenz der Gralsritter, welche gelobt haben, Hüter oder Bewahrer dieses heiligen Gefäßes zu sein. Interessanterweise taucht der Gral in der Blütezeit des Ordens der Tempelritter auf, der um 1118 in Jerusalem gegründet worden ist, um die christlichen Pilger auf ihrer Reise ins Heilige Land zu beschützen. Allerdings hat er sich schon kurze Zeit danach sehr rasch über ganz Europa ausgebreitet und hatte sehr viel Einfluss auf die damalige Politik und Gesellschaft. Doch, wenn es eine Verbindung des Grals mit dieser christlichen Ritterschaft gäbe, dann wäre dieser mehr als nur ein Symbol der Fülle und des Überflusses. Verbirgt sich hinter seinem mythologischen Ursprung eventuell doch ein geschichtlicher Hintergrund?

Eine Erklärung mag ein abgewandelter Ausdruck des Wortes "Heiliger Gral" in der französischen Sprache geben, in jener Sprache, in der von ihm das erste Mal berichtet worden ist. Der Ausdruck "Heiliger Gral" heißt in französisch "Sangraal". Dies könnte eine Abwandlung des Begriffes "Sangreal" sein, zu deutsch "Königliches Blut", und somit eine Verbindung zu einer geheimnisvollen "Gralsfamilie" schaffen. Aber um was für eine Familie handelt es sich hier?

Dan Brown stellt in seinem Werk eine Verbindung her zu Maria Magdalena, die mit Jesus von Nazareth verheiratet gewesen sein soll und sagt, dass beide zusammen ein Kind gezeugt hatten. Nach der Kreuzigung sei sie mit Joseph von Arimathia nach Südfrankreich gegangen und ihre Nachkommen hätten hier Jahrhunderte lang im Verborgenen vor der römischen Kirche gelebt. Das passt natürlich auch mit jener Tatsache überein, dass der erste Autor über den Gral, Chrétien de Troyes, Franzose gewesen ist und er damit als erster von jener Geschichte gehört haben mag. Bei Wolfram von Eschenbach ist übrigens nicht ganz klar, ob seine Handlung, die allgemein nach England verlegt wird, nicht möglicherweise auch in Südfrankreich gespielt hat. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass gerade im Süden Frankreichs und auch in Spanien, Maria Magdalena häufiger verehrt wird, als die Mutter Maria.

Seltsame Berichte über den Dorfpfarrer Saunière aus Rennes-le-Château in Südfrankreich gegen Ende des 19. Jahrhunderts, scheinen dies zu bekräftigen. Ohne bisher erkennbaren Grund, kam dieser Geistliche nämlich zu ungeahnten Reichtum und hat einige Millionen France in die Verschönerung seiner kleinen Kirche investieren können. Doch woher hat er dieses Geld? Es heißt, er hätte das Grab von Jesus oder von Joseph von Arimathia entdeckt und sich sein Schweigen vom Vatikan teuer erkaufen lassen. Saunière lebte übrigens in genau jener Gegend, in welcher einst sowohl die Katarer, wie auch die Templer sehr präsent gewesen sind. Auch Hitler, angezogen vom Mythos des "reinen Blutes", wurde auf den Dorfpfarrer aufmerksam und beauftrage den damaligen Gralsforscher Otto Rahn, den sagenhaften Kelch zu suchen.

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Quelle/Zugesandt von: Stefan Andromis Herbert / Spirit & Light


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