Alle reden von Negativzinsen - Was bedeutet das?

Negativzinsen sind nichts anderes als eine schleichende Währungsreform!


Der Bürger saniert den Staat. Vorher gibt's noch eine ordentliche Sachwert-Hausse, und wenn die in sich selbst endet (neue Kredite, ergo neues Geld für eine weitere Nachfrage wird ja kaum noch aufgenommen), dann geht's rund. Das wichtigste bei einer Währungsreform ist, dass man wirklich so gut wie alle erwischt. Jeder muss grosse Teile seines Guthabens abgeben, während die Kredite der Schuldner auf der anderen Seite in gleicher Höhe stehenbleiben. Früher nannte man das Staatsbankrott, später euphemistisch "Währungsreform". Nachdem auch dieser Begriff belastet ist, sagt man heute "Negativzinsen" dazu, die den Vorteil haben, den gleichen Prozess schleichend und über einen langen Zeitraum zu vollziehen.

Wie läuft so eine Währungsreform eigentlich ab?


Bei der Währungsreform geht es um zwei Dinge:
  1. Der Staat will seine Schulden loswerden, jedenfalls zum grossen Teil.
  2. Die Unternehmen dürfen dabei nicht ruiniert werden, weil sonst die Produktion komplett zum Erliegen kommt.

Die folgenden Schritte müssen so oder so ähnlich alle auf einmal passieren:
  1. Damit die Zahlen nicht mehr so gross sind, werden erstmal überall drei bis sechs Nullen abgemacht. Man muss die Leute ja mit irgendwas ablenken. Aber wie gesagt: Wirtschaftlich ändert das nichts. Im Folgenden tun wir daher so, als würde dieses Ablenkungsmanöver unterbleiben.
  2. Der Staat erklärt seine Anleihen für wertlos (der nächste Euphemismus: Hat schonmal jemand nach einem Abend in der Kneipe seinen Deckel für wertlos "erklärt"? Beim Staat geht das anscheinend.). Nur die bei der Zentralbank liegenden Anleihen werden zu 50% zurückgezahlt.
  3. Da alle Bankbilanzen nun ruiniert wären (denn die Aktiva der Banken enthalten Staatsanleihen ohne Ende), werden nun auch die Verbindlichkeiten der Banken reduziert. Und die Verbindlichkeiten der Banken sind: Tadadaa! - unsere Guthaben. Also werden - Zack! - alle Bankguthaben auf ein Fünftel reduziert. Die ersten soundsoviel Kröten des alten Bargelds werden 1:1 umgetauscht (die Zentralbank hat ja ein bisschen Luft, weil sie die Häfte, und nicht nur ein Fünftel auf die von ihr gehaltenen Staatsanleihen bekommt), der Rest 1:5 (die Reform trifft also scheinbar vor allem die "Reichen", das freut die Masse). Damit ist auch die Zentralbank aus dem Schneider.
  4. "Ja nun, aber damit sind die Banken doch immer noch nicht saniert." werdet Ihr sagen. Schließlich gab es auf der Aktivseite ja einen Totalschaden, und auf der Passivseite steht immer noch mehr als Null. Tja, aber die Banken haben natürlich noch andere Aktiva, und das sind - nochmal: Tadadaa! - die Schulden, die Nichtbanken bei ihr haben. Die werden natürlich 1:1 übernommen, ausser(!) bei Unternehmen (hier 1:5), weil die ja nach der Abwertung ihrer Guthaben sonst pleite wären.
  5. Verbindlichkeiten von Nichtbanken gegenüber Nichtbanken werden auch 1:5 umgerechnet; damit ändert sich insbesondere für Unternehmen erstmal gar nichts, weil sich für die alles im gleichen Verhältnis ändert.

Was ist durch den ganzen Zinnober jetzt unter dem Strich passiert?


Kurz gesagt ist der Staat fast alle seine Schulden los, und bezahlt haben dafür
  • die Besitzer von Staatsanleihen
  • Besitzer von Bargeld und Bankguthaben
  • private Schuldner, denn die Schulden wurden formal 1:1 umgestellt, die Kaufkraft der neuen Währung wird aber höher sein (dran denken: Vom Abschneiden von drei bis sechs Nullen hatten wir abstrahiert) als die der alten.
Natürlich kann man hier noch alle möglichen Verzweigungen einbauen (was passiert z.B. mit Löhnen und Mieten? Drückt man medienwirksam den "Krisengewinnlern" - vor allem Immobilieneigentümern - eine an den Staat abzahlbare Zwangshypothek auf's Auge? usw.). Das grundlegende Prinzip ist aber m.E. oben bereits beschrieben.

Hervorzuheben ist Folgendes:

"2. Der Staat erklärt seine Anleihen für wertlos (der nächste Euphemismus: Hat schonmal jemand nach einem Abend in der Kneipe seinen Deckel für wertlos "erklärt"? Beim Staat geht das anscheinend.). Nur die bei der Zentralbank liegenden Anleihen werden zu 50% zurückgezahlt."

Bei Negativzinsen, die später natürlich auch auf die Staatsanleihen durchschlagen, passiert genau das. Die Anleihen werden schleichend entwertet.

"3. Da alle Bankbilanzen nun ruiniert wären (denn die Aktiva der Banken enthalten Staatsanleihen ohne Ende), werden nun auch die Verbindlichkeiten der Banken reduziert. Und die Verbindlichkeiten der Banken sind: Tadadaa! - unsere Guthaben. Also werden - Zack! - alle Bankguthaben auf ein Fünftel reduziert. Die ersten soundsoviel Kröten des alten Bargelds werden 1:1 umgetauscht (die Zentralbank hat ja ein bisschen Luft, weil sie die Häfte, und nicht nur ein Fünftel auf die von ihr gehaltenen Staatsanleihen bekommt), der Rest 1:5 (die Reform trifft also scheinbar vor allem die "Reichen", das freut die Masse). Damit ist auch die Zentralbank aus dem Schneider."

Exakt das passiert auch bei Negativzinsen, die an den Bankkunden (Sparer) zur Bank- und Staatssanierung (am Ende der Kette) weitergereicht werden.

"4. "Ja nun, aber damit sind die Banken doch immer noch nicht saniert." werdet Ihr sagen. Schließlich gab es auf der Aktivseite ja einen Totalschaden, und auf der Passivseite steht immer noch mehr als Null. Tja, aber die Banken haben natürlich noch andere Aktiva, und das sind - nochmal: Tadadaa! - die Schulden, die Nichtbanken bei ihr haben. Die werden natürlich 1:1 übernommen, ausser(!) bei Unternehmen (hier 1:5), weil die ja nach der Abwertung ihrer Guthaben sonst pleite wären."

Voilà! Kredite bleiben bestehen. Guthaben werden besteuert.


"Was ist durch den ganzen Zinnober jetzt unter dem Strich passiert?


Kurz gesagt ist der Staat fast alle seine Schulden los, und bezahlt haben dafür
  • die Besitzer von Staatsanleihen
  • Besitzer von Bargeld und Bankguthaben
  • private Schuldner, denn die Schulden wurden formal 1:1 umgestellt"

"HERZLICH WILLKOMMEN IN DER SCHÖNEN NEUEN WELT"

Wenn ich Ihnen mittlerweile die Laune nicht komplett versaut habe, würde ich mich freuen wenn der eine oder andere am Ball bleibt und auch meinen nächsten Artikel liest.
P.S. : Kommentare sind gern gesehen, damit ich einen kleinen Einblick bekomme ob diese Serie interessant ist.


Author: Finanzleak
Foto: Negativzinsen von Kostas Koufogiorgos
Publiziert: 22. August 2015

 

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