Überflüssige Behandlungen - Gesundheitssystem oder Krankes System?

Im Gesundheitssystem hört man immer mehr von Kostenexplosionen auf der einen und Servicekürzungen auf der anderen Seite.


Sollte mehr Geld nicht zu einem besseren Service führen? Das Gegenteil ist der Fall – aber warum?


Ich habe einmal die offiziellen Statistiken studiert und bin auf erstaunliche Zusammenhänge gestossen. Die Kritik kommt übrigens nicht von Aussenseitern, sondern von den Ärzten selbst, die zunehmend unter der Misswirtschaft im Gesundheitswesen zu leiden haben.


Ein Punkt ist die hohe Zahl von Ärzten. Die Bevölkerung hat sich in den letzten 20 Jahren nur um rund 6% vergrößert. Aber laut der kassenärztlichen Bundesvereinigung stieg die Zahl der niedergelassenen Ärzte um das Zehnfache. Die Zahl der Fälle ist jedoch konstant geblieben. Laut des Deutschen Apothekerverbandes (ABDA), stieg die Zahl der Apotheken innerhalb von 4 Jahren um 4,4%. "Überraschenderweise" hat dies aber nicht zu Umsatzeinbussen geführt, ganz im Gegenteil - pro Apotheke ist dieser im gleichen Zeitraum um 23% angestiegen.

"Die jährliche Verschwendung allein durch falsche und überflüssige Labortests liegt bei 250 Millionen Euro"


... so Hartmut Recke vom Berufsverband Deutscher Laborärzte. Bei der Krebs Diagnostik könnten laut Prof. Dr. Henning König von der Universität Erlangen bis zu 25% der Kosten eingespart werden. Die Einsparungen seien möglich, ohne dass die Qualität der Diagnosen und der nachfolgenden Behandlung leiden würden. Es sei lediglich erforderlich, auf die gegenwärtige "unnötige Überdiagnostik" zu verzichten - damit könnte gleichzeitig zehntausenden Patienten viel Leid erspart werden. Jedoch:

"Das im Gesundheitssystem erbrachte Leistungsspektrum orientiert sich primär - völlig zu Recht - an den wirtschaftlichen Überlebenschancen der Leistungserbringer und nicht an den Bedürfnissen der Leistungsnehmer."


Gemeint sind die Patienten, wie einem Leitartikel des Deutschen Ärzteblattes zu entnehmen war.

  • Ähnlich ist die Sachlage bei der Chemotherapie. Der deutsche Statistiker Ulrich Abel hat sämtliche Chemotherapiestudien bei epithelialen Tumoren im fortgeschrittenen Stadium, welche rund 80% aller Krebsfälle ausmachen, unter die Lupe genommen. Er kam zum Schluss, dass auch der Erfolg einer Chemotherapie statistisch gesehen eigentlich sehr gering ist und den Patienten mehr zusätzliches Leiden als Nutzen bringt.
  • Eine von der Schwäbisch Gmünder Ersatzkasse in Auftrag gegebene Studie ergab, daß 30% aller Knie-Operationen überflüssig sind und darüber hinaus 50% der Operierten mit dem Ergebnis nur bedingt oder gar nicht zufrieden waren.
  • Andererseits ist es, wie Professor Jani in der Ärztezeitung "Medical Tribune" darlegte, innerhalb von nur drei Jahren zu einem Anstieg arthroskopischer Eingriffe von 600% gekommen! Bei 442 kontrollierten Spiegelungen des Magens waren 43% medizinisch unbegründet.

Deutsche Chirurgen amputieren bei Zuckerkranken viel zu häufig: Es werden pro Jahr fast 30.000 Amputationen vorgenommen.


"Das sind viel mehr als in anderen europäischen Staaten wie Frankreich, den Niederlanden, Italien und den skandinavischen Ländern", sagte Hans Henning Wetz von der Universität Münster. Und weiter: "Es könnten 8.000 bis 10.000 weniger sein."

Die WHO hat Deutschland schon vor Jahren aufgefordert, die Amputationen bei Zuckerkranken zu halbieren. Derzeit werden auf Grund von jährlich vier Millionen "grauen Mammographien" 100.000 Frauen operiert. Sie müssten nicht operiert werden, wenn stattdessen mit der Qualität der europäischen Nachbarländer - wie zum Beispiel der Niederlande - gescreened würde. So heisst es in einem Gutachten des Sachverständigenrates für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen. Von den jährlich 100.000 operierten Frauen sterben im Schnitt 4.000.

Überflüssige, d.h. medizinisch unbegründete Operationen werden fast allen Fachgebieten vorgeworfen.


Insgesamt sollen sich von den jährlich acht Millionen vorgenommenen Eingriffen etwa die Hälfte als nicht notwendig erweisen. Der Münchner Medizin-Informatiker Wilhelm von Eimeren warnte vor allzu unspezifischen Massentests. Damit drohen die Deutschen zu einem "Volk von Vorsorgegeschädigten" zu werden.

Es liessen sich noch viele weitere Beispiele anführen, die zeigen, dass etliche Diagnose- und Therapiemethoden der Schulmedizin bei Lichte besehen eigentlich gar nicht so erfolgreich sind, wie behauptet wird.

Noch akzentuierter wird dieser Umstand dadurch, dass bei vielen schulmedizinischen Therapien Geld im Spiel ist.


Es gibt Studien, die zeigen, dass halbprivat- oder privatversicherte Patienten weit häufiger operiert werden als allgemeinversicherte. Oder dass Ärzte und ihre Angehörigen viel seltener operiert werden als Normalsterbliche. Pikanterweise war die Operationsrate nur bei Rechtsanwälten gleich niedrig wie bei Ärzten.

Wie gross der ärztliche Ermessenspielraum und das damit verbundene finanzielle Interesse der Ärzte und Spitäler bei vielen Operationen ist, zeigen internationale Vergleiche der Operationsraten.

In Amerika werden z.B. Prostatakrebs-Operationen viel häufiger durchgeführt als in England. Dennoch gibt es bei der Prostatakrebs-Sterblichkeit keine nennenswerte Unterschiede. Aus all diesen Fakten folgt, wenn die Qualitätssicherung in der Medizin ernstgenommen würde, dürften viele Therapiemethoden gar nicht mehr oder nur noch in restriktiver Weise zur Anwendung gelangen.

Dies gilt in besonderem Masse für die schulmedizinischen Methoden, weil sie in der Regel sehr massiv und mit grossem Nebenwirkungspotential in den Körper und in physiologischen Prozesse eingreifen.

Wie sieht es denn in der "natürlichen" Medizin aus?


Auch diese Medizin verkommt zusehens! Die Preise für Homöopathie oder natürliche Produkte steigen ins Unermessliche und sind bald kaum mehr bezahlbar. Doch zumindest richten diese keinen Schaden an. Auch im therapeutischen Bereich sind wir bald auf der Stufe der Schulmedizin. Es wird am Patienten herumprobiert, viele Male die Medikamente gewechselt.

Der Patient weiss bald nicht mehr, wohin er gehen sollte und wo er nicht über's Ohr gehauen wird. Hier in Spanien dürfen "Therapeuten", die nur einen Kurs besucht haben, therapieren.

Was also kann man tun?


Die Eigenverantwortung des Patienten muss gestärkt, und die Therapiefreiheit über die Schulmedizin hinaus gewährleistet werden. Mit anderen Worten: künftig dürfen nicht mehr nur die kostspieligen, invasiven und nebenwirkungsreichen schulmedizinischen Therapien kassenpflichtig sein.

Noch ein Wort an alle Therapeuten und Ärzte:
Wir dürfen zwar von den Leiden unserer Mitmenschen leben, sollen aber nie reich davon werden!


Author: Hans Rapold
Publiziert: 3. November 2016
 

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