Ist die Finanzwelt jetzt völlig Überge-snap-t?

Snapchat ging an die Börse!!!


"Snap... was?" fragen jetzt viele aus der älteren Generation. Deshalb hier mal kurz ein Link zur Erklärung, worum es sich handelt.

Was für ein Börsengang in den USA! Bereits im Vorfeld wurde viel über das soziale Netzwerk spekuliert, welches ultraschnell und mit Ablaufdatum versehene kurze Videos oder Bilder zwischen Personen transportiert. Vielleicht kennen einige Leser die dafür notwendige Smartphone-App bereits aus eigenem Gebrauch. Viel eher aber aus Erzählungen der jüngeren Familienmitglieder und ganz bestimmt aus der Promi-Szene.

Wir schauen genauer hin:

Hundeohren und Manga-Augen sind auf Snapchat mit wenigen Klicks auf das Gesicht des Nutzers transplantiert und lassen somit selbst eine sehr ernst schauende Kim Kardashian lustig erscheinen.

Doch zurück zum Börsengang. Dieser wurde im Vorfeld bereits heiß diskutiert, insbesondere der Preis und die entsprechenden "hard facts". Dazu gleich und für alle Neugierigen der direkte Link zu Snapchat.

Schauen wir doch mal auf die Fakten:

Snapchat verdient kein Geld.

Das alleine ist nicht ungewöhnlich, doch hier ist es noch etwas "schärfer" als bei anderen Tech-IPO’s. Snapchat macht mehr Verlust als Umsatz! Um hier die ersten Warnlampen aufleuchten zu lassen, muss man nicht BWL studiert haben. Umsatz kommt rein durch Werbung. Doch jeder verdiente Dollar aus diesem Bereich wird aktuell mit 1,25 Dollar an Kosten erkauft.

Die Verluste belaufen sich allein im Jahr 2016 auf 514 Millionen Dollar und der Umsatz auf 404 Millionen Dollar. Zudem ist das Wachstum in der jungen Zielgruppe zwar extrem hoch, doch im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken wie Facebook (übrigens mit 8-facher Reichweite) flacht dies sogar ab und wächst langsamer. Auch wenn der Umsatz sich versiebenfachte (von 59 Millionen im Jahr 2015 ausgehend), geschieht dies immer auf dem Fundament der Kapitalgeber. Nun hat es Facebook auch zur Profitabilität geschafft, könnte man argumentieren. Doch diesen Weg muss SNAP (wie man kurz sagt) erst noch beschreiten. Ein spannender Artikel dazu ist auch auf "Die WELT".

Der Ausgabepreis sollte in der Spanne 14 bis 16 Dollar liegen. Nicht zuletzt wegen der euphorischen Börsenphase mit täglichen Rekorden wurde der Ausgabepreis am letzten Tag noch einmal auf 17 Dollar angehoben. Doch auch dies war dem Markt nicht genug. Nach fast zwei Stunden Taxierungen wurde dann die Aktie um 24 Dollar gehandelt – zum Ausgabekurs noch einmal ein satter Aufschlag von über 40 Prozent!

And the winner is ...

Lachen können vor allem die Anteilseigner und Gründer. Evan Spiegel (26) und Bobby Murphy (28) sind damit übrigens Multimilliardäre auf dem Papier geworden, denn der Unternehmenswert entspricht nach der Platzierung 33 Milliarden US-Dollar, an dem sie weiterhin etwa 90 Prozent halten. Dabei liegt die Gründung durch die beiden Stanford-Studenten erst 6 Jahre zurück.

Vergleich mit anderen sozialen Netzwerken:

Snapchat hat etwa 200 Millionen Nutzer. Dies ist im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken wie Instagram (500 Millionen), Twitter (313 Millionen), WhatsApp (1.000 Millionen) oder Facebook mit 1.712 Millionen eine noch geringe Anzahl. Soweit muss man dies offen darstellen, bei aller Euphorie.

Wir Börsianer vergleichen daneben auch gerne die Kursentwicklung, was nun problemlos möglich ist. Hierbei erinnern wir uns an Twitter, das ebenso stark startete, dann Schwäche zeigte, noch einmal Euphorie entfachte und nun fast ohne Phantasie und nur mit minimalem Branchenwachstum vorangetragen wird.

Droht bei Snapchat ein ähnlicher Verlauf?

Aus den aktuellen Daten heraus und vor dem Hintergrund, dass die Börsen seit Monaten in einer starken Aufwärtsbewegung tendieren (Dow Jones auf Jahressicht alleine +25%), gehe ich bei einer allgemeinen Korrektur auch von fallenden Kursen bei Snapchat aus. Und dann ist die anvisierte Marke von 17 Dollar zum IPO vielleicht auch real auf dem Kurszettel.

Gerne lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen, doch kaufen werde ich die Aktie auf diesem Niveau nicht. Wenn Sie die Story trotz all der Daten jedoch überzeugt haben sollte – der Handel ist ebenso in Deutschland bspw. an der Börse Frankfurt oder Börse Stuttgart möglich. Und als Alternative gibt es den CFD-Handel, den bspw. Ayondo Markets bereits am ersten Handelstag anbietet. Mit diesem Instrument kann man dann entsprechend auf fallende Kurse spekulieren.

Um es noch einmal zu verdeutlichen: Snapchat erreichte kurz nach Börseneröffnung einen Gesamtwert, der in etwa 1/3 des deutschen Aktienindex entspricht.

Ich muss meine Meinung noch mal überdenken, denn ich sage meinen Kindern immer, dass sie etwas "gescheites" lernen sollen. Spätestens nach dieser Story ist das wohl völliger Nonesense.

Frei nach dem Motto wie haben Sie ihre erst Milliarde gemacht?
Mit Hundeohren und Manga-Augen.

Ich für meinen Teil muss jetzt erst mal an die frische Luft bei so viel Schwachsinn ...


Author: "Finanzleak"
Bild: http://www.tech-recipes.com/
Publiziert: 10. März 2017

 

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