Bitcoin - Ist er das neue Gold 2.0?

Fiat-Geld hat Konkurrenz bekommen: Neben den Geldarten Gold und Silber scheint der Bitcoin zur zusätzlichen Alternative aufzusteigen.



Am 25. Mai 2017 erreicht der Preis des Bitcoin seinen bisherigen Höchstwert: Er steigt auf mehr als 2.800 US-Dollar pro Stück. Was treibt den fulminanten Kursverlauf?


Der Bitcoin ist ein Wettbewerber des staatlichen ungedeckten Papiergeldes (oder auch: Fiat-Geldes).


Er soll, so die Hoffnung seiner Befürworter, sich letztlich als die bessere Geldart erweisen. Diesbezüglich hat der Bitcoin jüngst einige bedeutende Fortschritte gemacht.

In Japan wird der Bitcoin seit dem 1. April 2017 als „legales Zahlungsmittel“ anerkannt. Der Bitcoin beziehungsweise die Bitcoin-Anbieter und Finanzdienstleister sind jedoch staatlichen Auflagen unterworfen wie beispielsweise Anti-Geldwäsche-Gesetzen.

Australien hat beschlossen, den Bitcoin als legales Zahlungsmittel ab dem 1. Juli 2017 zu akzeptieren.

Die amerikanische Aufsichtsbehörde SEC (Securites and Exchange Commission) hatte hingegen erst im März dieses Jahres den ersten börsengelisteten Bitcoin-ETF (Exchange Traded Fund) abgelehnt.

Damit deutet sich an, dass der Bitcoin auf gutem Wege ist, eine Alternative zum Fiat-Geld zu werden, zumindest was die Transaktionsfunktion des Geldes anbelangt. Damit zeigt sich ein (weiterer) Riss im staatlichen Geldproduktionsmonopol, der sich so ohne weiteres nicht wieder schliessen lässt. Das Hauptanliegen der Staaten ist daher, die Transaktionen, die in Bitcoin abgewickelt werden können, steuerlich zu diskriminieren gegenüber dem Fiat-Geld.

Beispielsweise ist in Deutschland der Verkauf des Bitcoins steuerrechtlich ein Veräusserungsgeschäft. Wenn Sie den Bitcoin für 100 Euro erworben haben und für 2.000 verkaufen, beträgt der zu versteuernde Gewinn 1.900 Euro (d. h. 2000 minus 100 Euro). Wer den Bitcoin länger als 12 Monate hält, muss keine Steuer auf den Veräusserungsgewinn zahlen. Die Veräusserungsgewinne fallen natürlich auch an, wenn mit Bitcoin etwas gekauft wird (wie beispielsweise eine Pizza).

Die steuerliche Behandlung des Bitcoins bedeutet einen Nachteil gegenüber dem Fiat-Geld, bei dem keine Steuern auf Veräusserungsgewinne anfallen (und bei dem auch keine entsprechend aufwendige Nachweispflicht entsteht).

Ein grosser Vorteil des Bitcoins besteht allerdings darin, dass die Bitcoin-Menge – anders als die Fiat-Geldmenge – nicht beliebig, gemäss politischer Erwägungen erhöht werden kann und dadurch das Geld seine Kaufkraft verliert.

Bis der Bitcoin (oder auch andere Cybereinheiten wie Ethereum, Dash, Ripple oder Monero, um nur einige an dieser Stelle zu nennen) das Fiat-Geld ablöst, sind noch einige Herausforderungen zu meistern.


Die Herausforderung ist dabei nicht so sehr, dass die Bitcoin-Menge eine maximale Obergrenze von 21 Millionen Stück hat, wie es die „Bitcoin Blaupause“ vorsieht. Denn auch mit einer fixierten Menge kann der Bitcoin (wie übrigens jede andere Geldart auch) die Geldfunktion problemlos übernehmen.

Geld ist nämlich ein Gut „sui generis“: Es ist kein Produktions- und auch kein Konsumgut. Geld ist ein Transaktionsgut. Und das heisst, jede gerade verfügbare Geldmenge ist so gut wie jede andere gerade verfügbare Geldmenge.

Eine hohe Geldmenge führt zu hohen nominalen Umsätzen, eine kleine Geldmenge zu geringen nominalen Umsätzen. In beiden Fällen kann die gleiche Gütermenge problemlos umgesetzt werden.

Die zentrale Herausforderung ist die Leistungsfähigkeit der Blockchain. Gemeint ist die Fähigkeit, viele Transaktionen schnell und kostengünstig durchführen zu können.

Derzeit lassen sich mit dem Bitcoin – technisch bedingt – maximal 7 Transaktionen pro Sekunde abwickeln.


Um mit den herkömmlichen Fiat-Geld-Zahlungssystemen mithalten zu können, die zum Beispiel Kreditkartengesellschaften abwickeln, müsste die Bitcoin-Leistungsfähigkeit um 500- oder gar 1000-fach zunehmen.

Zudem ist zu bedenken, dass unter dem derzeitigen Status quo ein gewaltiges Zahlungsvolumen auf den Finanzmärkten abgewickelt wird. Man denke nur einmal an die tägliche Anzahl von Transaktionen, die bei Aktien, Anleihen und Derivativen anfallen. Die Möglichkeit, eine grosse Anzahl von Transaktionen durchzuführen, ist auch eine wichtige Bedingung, damit es für Aktien- oder Anleiheemittenten attraktiv wird, ihre Emissionen in Bitcoin zu denominieren.

Sollte das technisch gelingen, stünde der Bitcoin nicht nur auf Augenhöhe mit dem Fiat-Geld, er hätte dann auch gute Chancen, das Fiat-Geld zu übertrumpfen.


Es stellt sich damit die Frage, welche Rolle Edelmetalle – insbesondere Gold und Silber – im Wettbewerb der Währungen zukommt. Eine Entwicklungsperspektive für Edelmetalle besteht darin, sie über die Blockchain-Technologie fungibel zu machen. Dies lässt sich beispielsweise für „Colored Bitcoins“ erreichen.

Der „Colored Bitcoin“ lässt sich wie alle anderen auch im Bitcoin-Netzwerk handeln.


Er verbrieft jedoch zusätzlich noch den Besitz einer Edelmetallmenge. Im Prinzip ist es zwar schon heute möglich, physisches Gold und Silber im herkömmlichen Zahlungsverkehr einzusetzen. Das ist bislang jedoch noch nicht in nennenswertem Umfang geschehen. Der Innovationsdrang konzentriert sich vor allem auf die Cybereinheiten.

Zudem ist zu beachten, dass die Fiat-Währungen derzeit nicht unter einem ernsten Vertrauensverlust leiden. Nach wie vor sind die Inflationserwartungen gezähmt. Es gibt daher (in diesem Stadium) keinen grossen Anreiz für die Sparer und Investoren, eine Alternative zum Fiat-Geld nachzufragen. Mit anderen Worten: Die Nachfrage nach Fiat-Geld ist – auch nach den Ereignissen 2008/2009 – mehr oder weniger ungebrochen stabil geblieben.

Der nächste „Belastungstest“ kann das jedoch durchaus verändern. Die Erschütterungen der letzten Jahre waren im Kern Ausdruck einer „Kreditkrise“.


Sparer und Investoren hatten Sorge, dass Schuldner ihre Zins- und Tilgungszahlungen nicht mehr leisten könnten. Eine Kreditkrise können die Zentralbanken entschärfen. Sie werfen die elektronische Notenpresse an und stellen genügend Geld bereit, damit es keine Zahlungsausfälle gibt.

Die nächste Krise wird vermutlich aber keine Kreditkrise, sondern eine Währungskrise sein.


Wenn die Zentralbanken tatsächlich Zahlungsausfälle mit allen Mitteln verhindern wollen, werden sie nicht umhinkommen, immer mehr Geld in Umlauf zu bringen – und das kann zu einem Punkt führen, in dem die Sorge um den Kaufkraftverfall um sich greift. Eine Währungskrise wäre verbunden mit einem Rückgang der Fiat-Geldnachfrage.

Spätestens in einer Währungskrise – die sich in den grossen Volkswirtschaften der Welt letztmalig in den frühen 1970er und 1980er Jahren gezeigt hat – wird sich auch zeigen, was sich aus Sicht der Geldhalter als verlässliche Alternativen zum Fiat-Geld erweisen wird. Der Bitcoin war am 27 Mai übrigens nur noch knapp 1900 USD Wert!

Und was spricht für Gold?

Es hat vor allem eine Jahrtausende währende Historie, die zeigt, dass es sich bei Gold um unverwüstbares Geld handelt.

Meiner Meinung nach eines der besten Argumente in der heutigen Zeit.

Gehabt euch wohl liebe Leserinnen und Leser bis demnächst wieder hier im Blog.


Author: "Finanzleak"
Bild: Pixabay.com
Publiziert: 2. Juni 2017

 

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