Nie wieder eine Finanzkrise ... so lange wir leben!


Politische Amts- und Würdenträger sind oft schwer einzuschätzen.


Strahlen sie echte Zuversicht aus, oder handelt es sich bei deren positiven Äusserungen auch nur um das berühmte „Pfeifen im Wald“?


Ist die Zuversicht echt, stellt sich die Zusatzfrage, ob diese auch gerechtfertigt ist oder nur auf einer falschen Lagebeurteilung bzw. Wirtschaftstheorie beruht.

Kurz vor dem Börsen-Crash des Jahres 1929, der grosse Depression und eine Weltwirtschaftskrise auslöste, liess sich der damals höchst angesehene US-Ökonom Irving Fisher zu der Aussage hinreissen, dass die Aktienkurse ein „dauerhaft hohes Niveau“ erreicht hätten.

John Maynard Keynes, auf den sich die Mainstream-Ökonomie noch heute gerne beruft, ging sogar davon aus, dass es „in unserer Zeit“ – keine Crashs mehr geben werde.

Möglicherweise bewegte sich Fed-Chefin Janet Yellen in genau dieser unglücklichen Tradition kapitaler Fehleinschätzungen, als sie es gestern für unwahrscheinlich hielt, dass wir in unserem Leben eine weitere Finanzkrise vom Ausmass der 2008er Krise erleben werden („in our lifetime“). Nebenbei bemerkt enthält die Aussage als Variable auch die verbleibende Lebenszeit, was im Internet zu beissendem Spott führte.

Die Märkte haben mittlerweile ein eher zynisches Verhältnis zur Obrigkeit entwickelt.

Das mag damit zu tun haben, dass Menschen, die es täglich mit dem freien Spiel der Marktkräfte zu tun haben, nicht mehr wirklich ernst nehmen können, was die vermeintlich „grossen Zampanos“ in Regierung und Notenbanken den lieben langen Tag so alles von sich geben.

Zumindest schlossen die US-Aktienbörsen auf Yellens „beruhigenden“ Äusserungen hin mit grösseren Abschlägen nahe der gestrigen Tagestiefs. Das erinnert ein wenig an das „vollste Vertrauen“, das Politikern gerne dann ausgesprochen wird, wenn sie eigentlich nicht mehr zu halten sind.

Gelassenheit ist eine Tugend.

Auch Value-Investoren sind nicht immer rational, selbst wenn sie dies so gerne wären. Gerade in volatilen Börsenphasen ist es jedoch eine Herausforderung, die eigene Psychologie zu überlisten. Denn natürlich verleitet ein rapider Kurseinbruch dazu, die eigene Positionierung zu überdenken. Sind die Aktien, die ich halte, nicht schon viel zu teuer?

Wenn der Markt nun insgesamt einbricht, zieht er dann auch meine Titel mit nach unten?

Das sind die klassischen Fragen, die jeder Anleger im Kopf hat, wenn die Kurse zu bröckeln beginnen. Und zu jedem Zeitpunkt gibt es jede Menge rationale Gründe, die für einen Verkauf sprechen. Gefährlich wird dies vor allem dann, wenn kurzfristiges Handeln nicht zur ursprünglich angedachten Strategie passt. Denn Hand aufs Herz, nicht jeder Anleger ist eben auch ein guter Trader.

So treffen viele Investoren ihre Kaufentscheidungen aufgrund einer attraktiven Bewertung, eines überlegenen Geschäftsmodells oder eines makroökonomischen Trends. Auf den Verkaufs-Knopf drücken sie dann allerdings nicht, weil sich die beim Kauf angenommene Hypothese als falsch herausgestellt hat, sondern aufgrund einer kurzfristig veränderten Nachrichtenlage.

Relativ immun gegen solche Emotionen scheint Charlie Munger zu sein, der Kompagnon von Warren Buffett.

In einer Rede aus dem vergangenen Dezember geht er sogar noch einen Schritt weiter. Selbst wenn die Bewertung eines Unternehmens temporär völlig verrückt erscheint, würde er sich von einer guten Aktie nicht trennen. Auch dann nicht, wenn er dieselbe Aktie nicht mehr kaufen würde. Die Betonung liegt allerdings auf einer „guten“ Aktie.

Ein klassischer Trader würde darauf wohl erwidern, dass dies grundfalsch ist.

Schliesslich trifft man indirekt mit dem Halten einer Aktie jeden Tag auf's Neue eine Kaufentscheidung. Und selbst für Munger ist es schwierig, seine Einstellung logisch zu begründen. Allerdings gibt er zu bedenken, dass er heute viele Titel hält, die 10-mal so viel wert sind, wie zu seinem Einstiegspunkt. Auf dem Weg dorthin waren diese häufig alles andere als günstig. Doch solange das Unternehmen ein überlegenes Geschäftsmodell besitzt und wächst, spricht nichts dagegen, an solchen Aktien festzuhalten.

Der ganz entscheidende Punkt ist daher, ob man sich den günstigeren Wiedereinstieg in denselben Titel zutraut. Ist dies nicht der Fall, sollte Gelassenheit die Tugend eines Value-Investors sein.

Neben der Gelassenheit ist die gründliche Selektion der richtigen Aktien die zweite wichtige Tugend eines Value-Investors.

Charlie Munger benutzt dafür ein Zitat seines grossen Vorbilds Benjamin Franklin.

„Vor der Ehe sollte man beide Augen weit offen halten, danach halb geschlossen.“

Genauso sollten es auch Anleger halten, die mit ihren Aktien fast schon „verheiratet“ sind ...

Zu den Märkten ...

Die deutschen Aktienmärkte nahmen die Vorgaben aus den USA zunächst geradezu lehrbuchmässig auf. Der DAX eröffnete mit einem Abwärts-Gap und rauschte bis auf 12.536 Punkte herunter. Das war bereits das zweite Abwärts-Gap in Folge, denn der Markt bot bereits am Dienstag eine schwache Vorstellung.

Während das Negativszenario in der ersten Handelsstunde noch die Oberhand hatte und damit auch die versagenden Allzeithochs bestätigte, setzte im Tagesverlauf nicht etwa Panik sondern Beruhigung ein und die Kurse kletterten wieder kontinuierlich nach oben. Noch tags zuvor glaubten die Märkte eine Aussage von EZB-Chef Mario Draghi so interpretieren zu dürfen, dass dieser der Euro-Schwäche nicht länger tatenlos zusehen werde. Der USD sackte daraufhin ab, der DAX ebenfalls – soweit zum möglichen fundamentalen Hintergrund der gestrigen Abwärtsbewegung.

Ein starker Euro war bei den Aktionären der exportlastigen DAX- und MDAX-Unternehmen eigentlich noch nie Anlass zur Freude. Als der Euro dann gestern Mittag wieder einen kleinen Satz nach unten machte, sprang der DAX analog in die Höhe.

Insgesamt könnte diese anhaltende Bewegung als eine Pullback-Bewegung an die untere Keilbegrenzung interpretiert werden. Sicher an der aktuellen Situation ist nur, dass die Marktteilnehmer ziemlich verunsichert sind.

Fazit ...

Nach dem Bruch des Aufwärtskeils befindet sich der DAX auf Messers Schneide. Übermässiger Mut dürfte auf diesem Niveau nicht mehr belohnt werden.

Something to think about - Einfach zum Nachdenken.


Author: "Finanzleak"
Bild: Pixabay.com
Publiziert: 7. Juli 2017



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